18
Jun
07

Ein Hauch von Hollywood

Erfurt ist nicht in Kalifornien. Trotzdem wehte ein Hauch von Hollywood durch die Gänge des Bundesarbeitsgerichts, als der fünfte Senat über die Arbeitspflichten einer Filmschauspielerin zu entscheiden hatte. Das Gericht hatte folgenden Sachverhalt zu prüfen: Es gab ein Filmprojekt mit dem Arbeitstitel „Maria an Callas“. Schon der Titel erinnert an die unvergessene Operndiva. Frau A sollte in diesem Film die „Jennie“ spielen. Diese Jennie war laut erster Drehbuchfassung die Schwägerin und Freundin der Hauptdarstellerin im Alter von 54 Jahren. Es kam nun aber so, dass bereits nach zwei Tagen das Drehbuch umgeschrieben wurde. Aus der 54-jährigen Freundin wurde die 60-jährige Mutter Jennie. Die Freundin und Schwägerin fiel weg. Das war Frau A zu viel. Sie erklärte, sie werde die Jennie nur nach der bisherigen – ursprünglichen Fassung spielen. Gespielt hat sie dann gar nicht – die Rolle wurde anderweitig besetzt. Frau A wollte sich das aber nicht bieten lassen und verlangte deswegen Zahlung der vertraglich vereinbarten Vergütung für die weiteren 13 Drehtage. Damit scheiterte sie sowohl vor dem Arbeitsgericht wie auch vor dem Landesarbeitsgericht. Nun also Erfurt. Hier stellte das Bundesarbeitsgericht fest, dass auch im Filmgeschäft grundsätzlich die Vertragsparteien selbst über den Ausgleich ihrer gegenläufigen Interessen befinden. Gleiches gilt für den Ausgleich der grundrechtlich geschützten Positionen beachtlich. Da es sich hier um darstellende Kunst handelt, geht es auch um die Freiheit der Kunst. Diese Grundzüge der Privatautonomie sind vorrangig bei der Auslegung des zu prüfenden Arbeitsvertrages heranzuziehen. Welche Arbeit der Arbeitnehmer zu leisten hat, ergibt sich in erster Linie aus dem Arbeitsvertrag. Das gilt fürs Filmgeschäft genauso wie für jede andere abhängige Beschäftigung. Der Arbeistvertrag gibt für gewöhnlich den Rahmen vor. Innerhalb dieses Rahmens obliegt es dem Arbeitgeber, nun den Inhalt und den Umfang der Arbeitspflicht des Arbeitnehmers festzulegen. Dies folgt direkt aus dem Weisungsrecht, das der Arbeitgeber inne hat. Welche Arbeit der Arbeitnehmer zu leisten hat, ergibt sich in erster Linie aus dem Arbeitsvertrag. Der Arbeitgeber kann Inhalt und Umfang der Arbeitspflicht kraft seines Weisungsrechts im Rahmen des jeweiligen Arbeitsvertrags festlegen. Mit diesen Grundsätzen ging nun der Fünfte Senat ans Werk und prüfte den Arbeitsvertrag. Er kam hier nun zu dem Schluss, dass die neue Drehbuchfassung den vertraglich festgelegten Kern der Rolle nicht geändert habe. Im Arbeitsvertrag war ein Rollenprofil aufgenommen worden. Dieses Profil sei gewahrt geblieben. Das Bundesarbeitsgericht schloss hieraus, dass Frau A die Mutter Jennie hätte spielen müssen. Daher stand ihr die weiter geltend gemachte Vergütung nicht zu. Wenn das Rollenprofil schärfer vereinbart gewesen wäre oder im Vertrag etwas anderes gestanden hätte, wäre die Geschichte vielleicht ganz anders ausgegangen. Aber nicht nur im Kintopp sondern auch im richtigen Leben kommt nicht immer ein happy end vor dem Abspann und wie schon in der griechischen Tragödie kann sich auch ganz real der tragische Held unentrinnbar in den Fallstricken verfangen und trotz der retardierenden Momente ist dann alle Hoffnung vergebens gewesen. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13. Juni 2007 – 5 AZR 564/06 – Vorinstanz, Landesarbeitsgericht Berlin, Urteil vom 19. Mai 2006 – 6 Sa 118/06 –

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Rechtsanwalt und Mediator Roland Hoheisel-Gruler

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